Anschreiben für die Bewerbung
Aufbau, Muster und Beispiele
Ein gutes Anschreiben für die Bewerbung folgt klaren Regeln, ist aber kein Formular zum Ausfüllen. Diese Anleitung zeigt den DIN-5008-Aufbau im Detail und konkrete Formulierungen für Einstieg, Hauptteil und Schluss, die über leere Floskeln hinausgehen.
Kurz gesagt: Ein deutsches Anschreiben folgt der DIN 5008 und besteht aus genau drei Absätzen: Einstieg mit konkretem Stellenbezug statt Floskel, Hauptteil mit zwei bis drei Beispielen statt Lebenslauf-Wiederholung, und Schluss mit aktiver Gesprächsbereitschaft. Es passt auf eine Seite und sollte für jede Stelle individuell angepasst werden, nicht nur mit ausgetauschtem Firmennamen kopiert werden.
DIN-5008-Struktur des Anschreibens
Die DIN 5008 regelt die formale Gestaltung von Geschäftsbriefen in Deutschland und wird auch bei Bewerbungsschreiben erwartet. Anders als beim Lebenslauf geht es hier nicht um eine Tabelle, sondern um einen klar gegliederten Fließtext mit festem Kopfbereich.
Richtig aufgebaut
- Absenderadresse oben, Empfängeradresse im Anschriftenfeld darunter
- Datum rechtsbündig, ohne doppelte Ortsangabe
- Betreffzeile mit konkreter Stellenbezeichnung, fett, ohne „Betreff:“
- Anrede mit Namen, wenn aus der Anzeige bekannt
- Drei klar getrennte Absätze: Einstieg, Hauptteil, Schluss
Häufige Fehler
- Wort „Betreff:“ vor der Betreffzeile
- Anrede „Sehr geehrte Damen und Herren“, obwohl ein Name bekannt war
- Lebenslauf in Fließtext wiederholt statt neuer Inhalt
- Kein Bezug zur konkreten Stellenanzeige erkennbar
- Mehr als eine Seite
In 4 Schritten zum Anschreiben
- 1
Adressfeld und Betreffzeile nach DIN 5008 setzen
Ihre Adresse steht oben links oder rechts, die Adresse des Unternehmens darunter links im Anschriftenfeld. Das Datum steht rechtsbündig, ohne Ortsangabe davor, wenn diese schon im Briefkopf steht. Die Betreffzeile benennt die Stelle konkret, ohne das Wort „Betreff:“ davorzuschreiben, zum Beispiel „Bewerbung als Pflegefachkraft, Kennziffer 4471“.
- 2
Einstieg ohne Floskel formulieren
Der erste Satz entscheidet, ob weitergelesen wird. Vermeiden Sie „Hiermit bewerbe ich mich als...“, das ist reine Formsprache ohne Information. Starten Sie stattdessen mit einem konkreten Bezug: der Stellenanzeige, einer Empfehlung, oder einer fachlichen Beobachtung zum Unternehmen.
- 3
Hauptteil auf Leistungsbezug statt Aufzählung aufbauen
Wiederholen Sie nicht den Lebenslauf in Prosa. Wählen Sie zwei bis drei konkrete Situationen aus Ihrer bisherigen Tätigkeit, die zeigen, was Sie in der neuen Stelle leisten können. Jede Aussage sollte an eine Anforderung aus der Stellenanzeige andocken.
- 4
Schluss mit aktiver Gesprächsbereitschaft
Vermeiden Sie den Konjunktiv „Über eine Einladung würde ich mich freuen“, das klingt unsicher. Formulieren Sie aktiv, zum Beispiel „Gerne stelle ich Ihnen meine Erfahrung im persönlichen Gespräch vor“. Schließen Sie mit Grußformel, Ort, Datum und Unterschrift.
Die Drei-Absatz-Logik im Detail
Ein Anschreiben besteht aus genau drei inhaltlichen Blöcken. Im Einstieg wecken Sie Interesse mit einem konkreten Bezug, nicht mit der Ankündigung, dass Sie sich bewerben, das steht schon in der Betreffzeile. Im Hauptteil zeigen Sie an Beispielen, warum Sie zur Stelle passen, statt Eigenschaften nur aufzuzählen.
Im Schluss signalisieren Sie aktiv, dass Sie ein Gespräch führen möchten, und runden mit Grußformel und Unterschrift ab. Jeder Absatz hat eine Aufgabe, ein Absatz, der zwei Aufgaben gleichzeitig übernimmt, wirkt meist unstrukturiert.
Warum kopierte Anschreiben aussortiert werden
Personalabteilungen lesen ein Anschreiben oft in weniger als einer Minute. Sie überfliegen dabei gezielt: Stellenbezug im Einstieg, ob der Hauptteil zu den geforderten Aufgaben passt, und ob die Firma überhaupt namentlich vorkommt. Ein Anschreiben, das genauso für jede andere Stelle passen würde, fällt in diesem kurzen Überfliegen sofort auf.
Generischer Einstieg
„Hiermit bewerbe ich mich als Pflegefachkraft in Ihrem Unternehmen und freue mich auf eine positive Rückmeldung.“
Stellenbezogener Einstieg
„Ihre Stellenanzeige für die Pflegefachkraft auf der Intensivstation hat mich direkt angesprochen, da ich seit drei Jahren genau in diesem Bereich arbeite.“
Beispiel-Formulierungen: Vorher und Nachher
Die folgenden Beispiele zeigen, wie aus einer allgemeinen Aussage ein konkreter, überprüfbarer Satz wird. Ziel ist nicht mehr Text, sondern mehr Inhalt pro Satz.
Ich bin sehr belastbar und flexibel und kann mich schnell in neue Themen einarbeiten.
In meiner letzten Stelle habe ich innerhalb von sechs Wochen die Einarbeitung in ein neues Warenwirtschaftssystem eigenständig übernommen und zwei Kollegen darin geschult.
Ich interessiere mich sehr für Ihr Unternehmen und die ausgeschriebene Stelle.
Ihr Fokus auf ambulante Pflege in ländlichen Regionen passt genau zu meiner bisherigen Erfahrung in der mobilen Patientenbetreuung.
Über eine Einladung zu einem persönlichen Gespräch würde ich mich sehr freuen.
Gerne stelle ich Ihnen meine Erfahrung im Bereich Qualitätssicherung in einem persönlichen Gespräch vor.
Ich habe viel Erfahrung im Kundenkontakt und arbeite gerne im Team.
Im direkten Kundenkontakt habe ich pro Tag bis zu 30 Anfragen bearbeitet und dabei eng mit dem Reklamationsteam zusammengearbeitet.
Anschreiben auf Englisch
Bei internationalen Unternehmen oder englischsprachigen Stellenausschreibungen wird häufig ein englisches Anschreiben (Cover Letter) erwartet, auch wenn die spätere Kommunikation im Unternehmen teilweise auf Deutsch stattfindet. Der Aufbau unterscheidet sich in wichtigen Punkten vom deutschen Anschreiben.
Deutsches Anschreiben
- Formelle Anrede, meist „Sehr geehrte Damen und Herren“
- Zurückhaltender, sachlicher Ton
- Eine Seite, DIN-5008-Format mit Adressfeld
Englischer Cover Letter
- Direkterer, selbstbewussterer Einstieg erwartet
- „Dear Hiring Manager“ statt Namensform, wenn kein Name bekannt
- Konkrete Erfolge und Kennzahlen zählen mehr als Formalität
Häufige Fragen zum Anschreiben
Wie lang sollte ein Anschreiben sein?
Eine Seite, ausnahmslos. Personalabteilungen erwarten ein knappes, fokussiertes Schreiben, keine zweite Zusammenfassung des Lebenslaufs. Wenn Ihr Text nicht auf eine Seite passt, kürzen Sie den Hauptteil auf die zwei bis drei stärksten Punkte statt der Schriftgröße oder der Ränder.
Muss ich jedes Anschreiben komplett neu schreiben?
Nein, aber eine reine Kopie mit ausgetauschtem Firmennamen fällt bei Personalern schnell auf, weil Formulierungen dann nicht zur konkreten Stellenanzeige passen. Behalten Sie Ihren Grundaufbau, passen Sie aber Einstieg und mindestens einen Punkt im Hauptteil an die jeweilige Stelle an.
Ist eine Unterschrift im Anschreiben Pflicht?
Bei einer digitalen Bewerbung reicht in der Regel eine eingescannte oder digital eingefügte Unterschrift, viele Bewerber lassen sie bei reinen PDF-Uploads inzwischen auch ganz weg. Bei einer postalischen Bewerbung sollten Sie handschriftlich unterschreiben.
Was ist der Unterschied zwischen Anschreiben und Motivationsschreiben?
Für eine konkrete Stellenanzeige in Deutschland ist „Anschreiben“ der richtige Begriff: ein kurzes, auf die Stelle zugeschnittenes Bewerbungsschreiben. „Motivationsschreiben“ wird meist für Studium, Ausbildung oder EU-Programme wie Erasmus verwendet und ist breiter formuliert, ohne direkten Bezug auf eine offene Stelle. Bei einer regulären Jobbewerbung sollten Sie daher ein Anschreiben verfassen, kein Motivationsschreiben.
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Zuletzt aktualisiert: August 2026
