RatgeberGehaltsverhandlung

Gehalt verhandeln im neuen Job
Timing, Rahmen und die richtigen Worte

Nur 15 Prozent der Stellenanzeigen in Deutschland nannten ein Gehalt (StepStone, Stand 2024). Diese Anleitung zeigt, wie Sie sich mit realistischen Vergleichsdaten vorbereiten, auf die Gehaltsvorstellung-Frage souverän antworten und auf ein niedriges Angebot sachlich reagieren.

Kurz gesagt: Bereiten Sie vor dem Gespräch einen Gehaltsrahmen mit Unter- und Obergrenze vor, zum Beispiel über den Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit, und nennen Sie bei der Gehaltsvorstellung-Frage eine Spanne statt einer festen Zahl. Nur 15 Prozent der Stellenanzeigen in Deutschland nannten ein Gehalt (StepStone, Stand 2024), fragen Sie deshalb zusätzlich gezielt nach Tarifbindung, da diese den Verhandlungsspielraum stark einschränkt.

Timing: Wer zuerst eine Zahl nennt, verliert Spielraum

In den meisten deutschen Bewerbungsgesprächen wird die Gehaltsvorstellung explizit erfragt, oft schon im ersten Gespräch oder sogar in der Stellenanzeige verlangt. Vermeiden Sie nach Möglichkeit, von sich aus als Erstes eine feste Zahl zu nennen. Wenn die Frage direkt gestellt wird, antworten Sie mit einer gut begründeten Spanne statt mit einem einzelnen Betrag.

Ungünstig

  • Eine einzelne, zu niedrig geschätzte Zahl ohne Vorbereitung nennen
  • „Ich nehme, was Sie anbieten” sagen
  • Ein Angebot sofort ohne Bedenkzeit annehmen
  • Auf ein niedriges Angebot emotional statt sachlich reagieren

Günstig

  • Eine recherchierte Spanne mit Unter- und Obergrenze nennen
  • Die Spanne kurz mit Erfahrung oder Qualifikation begründen
  • Bei einem niedrigen Angebot um eine kurze Bedenkzeit bitten
  • Nach Tarifbindung und Nebenleistungen fragen

In 4 Schritten zur Gehaltsverhandlung

  1. 1

    Gehaltsrahmen vorbereiten, nicht eine feste Zahl

    Schlagen Sie vor dem Gespräch einen realistischen Rahmen nach, zum Beispiel über den Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit oder Vergleichsportale wie Gehalt.de. Berücksichtigen Sie dabei sowohl den Beruf als auch das Bundesland, da die Gehälter zwischen den Bundesländern spürbar abweichen können. Notieren Sie sich eine Unter- und eine Obergrenze.

  2. 2

    Die Gehaltsvorstellung-Frage mit einer Spanne beantworten

    Wenn im Gespräch nach Ihrer Gehaltsvorstellung gefragt wird, nennen Sie eine Spanne statt einer einzelnen Zahl, zum Beispiel zwischen X und Y Euro brutto im Jahr. Eine Spanne lässt Verhandlungsspielraum, ohne unverbindlich zu wirken.

  3. 3

    Prüfen, ob die Stelle tarifgebunden ist

    Fragen Sie im Gespräch oder in der Stellenanzeige nach, ob das Unternehmen an einen Tarifvertrag gebunden ist. Bei einer tarifgebundenen Stelle ist die Eingruppierung meist vorgegeben, dort verhandeln Sie eher über die Stufe oder Zulagen als über das Grundgehalt selbst.

  4. 4

    Auf ein niedriges Angebot sachlich reagieren

    Wenn das Angebot unter Ihrem Rahmen liegt, benennen Sie den Unterschied konkret und begründen Sie ihn mit Ihrer Qualifikation oder Erfahrung, statt das Angebot direkt abzulehnen oder kommentarlos anzunehmen. Bitten Sie bei Bedarf um Bedenkzeit, bevor Sie zusagen.

Gehaltsrahmen mit Vergleichsdaten statt Bauchgefühl bilden

Ein realistischer Gehaltsrahmen entsteht aus zwei Faktoren: dem Beruf und dem Bundesland. Die Gehälter für dieselbe Tätigkeit können zwischen den Bundesländern deutlich abweichen, unter anderem wegen unterschiedlicher Lebenshaltungskosten und regionaler Nachfrage. Der NextBeruf Durchschnittsgehalt-Vergleich fasst Richtwerte für mehrere Berufe je Bundesland zusammen, auf Basis öffentlich verfügbarer Daten von Gehalt.de und dem Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit.

Verstehen Sie das Ergebnis als Richtwert für die Vorbereitung, nicht als garantiertes Angebot. Ihre tatsächliche Erfahrung, Zusatzqualifikationen und die Größe des Unternehmens verschieben den realistischen Rahmen zusätzlich nach oben oder unten.

Tarifbindung: die Grenze der Verhandlung

In manchen Branchen und Unternehmen gilt ein Tarifvertrag, der die Gehälter nach Entgeltgruppen und Erfahrungsstufen festlegt. Ist eine Stelle tarifgebunden, ist das Grundgehalt selbst kaum verhandelbar, weil es sich aus der Eingruppierung ergibt. Verhandlungsspielraum gibt es dann eher bei der Einstufung in eine höhere Erfahrungsstufe, bei Zulagen oder bei außertariflichen Leistungen.

Frage nach Tarifbindung im Gespräch

„Ist diese Stelle an einen Tarifvertrag gebunden, und wenn ja, in welche Entgeltgruppe würde ich eingestuft?”

Frage nach Einstufung bei relevanter Vorerfahrung

„Ich bringe [X] Jahre einschlägige Erfahrung mit. Wird das bei der Erfahrungsstufe innerhalb der Entgeltgruppe berücksichtigt?”

Bei nicht tarifgebundenen Unternehmen ist der Verhandlungsspielraum in der Regel größer, dafür ist das Gehalt weniger transparent vorgegeben. In beiden Fällen hilft eine vorbereitete Vergleichszahl, das Gespräch sachlich zu führen.

Beispiel-Formulierungen: Vorher und Nachher

Die folgenden Beispiele zeigen, wie Sie dieselbe Situation unsicher oder sachlich-begründet ansprechen können. Ziel ist nicht perfektes Deutsch, sondern eine klare, ruhige Formulierung.

1

Ich weiß nicht genau, wie viel ich verdienen soll, was Sie geben ist okay für mich.

Basierend auf meiner Erfahrung und den üblichen Werten für diese Position stelle ich mir ein Jahresgehalt zwischen [X] und [Y] Euro brutto vor.

2

Das Angebot ist zu wenig, das nehme ich nicht.

Das Angebot liegt unter meiner Erwartung von [X] Euro. Können wir über die Differenz sprechen, zum Beispiel angesichts meiner Erfahrung in [Bereich]?

3

Ich muss sofort sagen ja oder nein?

Ich möchte das Angebot gerne in Ruhe prüfen. Wäre es möglich, bis [Datum] eine Rückmeldung zu geben?

4

Ich habe keine Ahnung, was normal ist für dieser Job in Deutschland.

Nach meiner Recherche liegt das übliche Gehalt für diese Position in [Bundesland] zwischen [X] und [Y] Euro brutto im Jahr.

Häufige Fragen zur Gehaltsverhandlung

1

Soll ich im Vorstellungsgespräch zuerst eine Zahl nennen?

Wenn möglich, warten Sie ab, bis das Unternehmen zuerst einen Rahmen nennt, oder antworten Sie auf die Gehaltsvorstellung-Frage mit einer Spanne statt einer festen Zahl. Wer zuerst eine feste, zu niedrige Zahl nennt, verschenkt Verhandlungsspielraum. Eine gut vorbereitete Spanne, die auf realen Vergleichsdaten beruht, wirkt dabei sachlich und nicht willkürlich.

2

Woher weiß ich, welches Gehalt in meinem Beruf und Bundesland üblich ist?

Nutzen Sie öffentlich zugängliche Vergleichsdaten wie den Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit oder Portale wie Gehalt.de, die Werte nach Beruf und Region aufschlüsseln. Der NextBeruf Durchschnittsgehalt-Vergleich fasst solche Richtwerte für mehrere Berufe und alle 16 Bundesländer zusammen und eignet sich als erste Orientierung vor dem Gespräch.

3

Was bedeutet Tarifbindung für die Gehaltsverhandlung?

Ist ein Unternehmen an einen Tarifvertrag gebunden, richtet sich das Gehalt nach festgelegten Entgeltgruppen und Stufen, die im Tarifvertrag stehen. Der Verhandlungsspielraum ist dann meist kleiner als bei nicht tarifgebundenen Unternehmen, kann sich aber auf die Einstufung in eine Erfahrungsstufe oder auf Zulagen beziehen. Fragen Sie im Gespräch direkt, ob und welcher Tarifvertrag gilt.

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Der NextBeruf Durchschnittsgehalt-Vergleich zeigt Richtwerte nach Beruf und Bundesland, auf Basis von Gehalt.de und dem Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit. Kostenlos, ohne Anmeldung.

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Diese Informationen sind allgemeine Hinweise und keine Rechtsberatung. Gehaltsangaben sind Richtwerte, keine Zusicherung. Konkrete Werte hängen von Branche, Unternehmen und individueller Erfahrung ab.

Zuletzt aktualisiert: August 2026

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